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Blaue Stunde

Blaue Stunde ist heute vor allem ein poetischer Begriff für die Zeit der Dämmerung zwischen
Sonnenuntergang und nächtlicher Dunkelheit sowie für die Zeit kurz vor Sonnenaufgang. Während
dieser Zeit besitzt der tiefblaue Himmel in etwa dieselbe Helligkeit wie das künstliche Licht von
Gebäude- und Straßenbeleuchtungen. Das Blau des Himmels hat aber auch eine andere
physikalische Ursache als bei Tage und hat damit auch eine andere spektrale Zusammensetzung.

Physikalische Erklärung der Färbung:
Ihren Namen hat sie von der tiefblauen Färbung des klaren Himmels in dieser Zeit. Verursacht wird
das tiefe Blau nicht etwa durch die Rayleigh-Streuung, die für das Himmelsblau während des Tages
verantwortlich ist. Im Gegenteil: Während eines Sonnenuntergangs wird der kurzwellige blaue Anteil
des Sonnenlichts auf dem langen Weg durch die Erdatmosphäre herausgestreut, der Himmel müsste
eigentlich grau bis schwarz erscheinen.
Dieses Phänomen wurde erst 1952 von dem US-amerikanischen Geophysiker Edward Hulburt (1890–1982) entdeckt und wird die
Blaue Stunde des Ozons genannt.[1] Tatsächlich wird der blaue Himmel bei Sonnenauf- und Untergang vor allem durch das Vorhandensein der Ozonschicht in 20 bis 30 Kilometer Höhe über dem Erdboden verursacht. Edward Hulburt konnte nachweisen, dass das Himmelsblau im Zenit während des Sonnenuntergangs nur zu einem Drittel auf der Rayleigh-Streuung, aber zu zwei Dritteln auf dem speziellen Absorptionsverhalten des Ozons beruht. In der Dämmerung
wird dagegen das blaue Licht des Himmels vollständig durch die Ozonschicht verursacht.

Farbtemperatur
Physikalisch beschreibt die Farbtemperatur die geänderten Beleuchtungsverhältnisse. Während die
Sonne eine Farbtemperatur von ca. 5500 K hat, beträgt die des blauen Himmels zwischen 9000 K
und 12000 K. Am Tage mischen sich diese beiden Lichtquellen zum typischen Tageslicht mit einer Farbtemperatur von 6500 K. In der blauen Stunde entfällt das direkte Sonnenlicht, übrig bleibt das Himmelsblau.

Der höhere Blauanteil des Himmelslichts lässt sich auch tagsüber im Schatten beobachten.

Dauer
Die Dauer beträgt zwischen 20 Minuten in den Tropen, 30 Minuten (Tag-und-Nacht-Gleiche) bis
50 Minuten (Sonnenwende) in Mitteleuropa, bis zu 5 Stunden in den Weißen Nächten und
theoretisch zwei Wochen an den Polen.

Blaue Stunde in der Fotografie
In der Fotografie wird die Blaue Stunde für so genannte Available-Light-Aufnahmen und die Nachtfotografie genutzt. Gegenüber Aufnahmen bei absoluter Dunkelheit ist dadurch auch die
Umgebung leicht erhellt und somit besser sichtbar, die Kontraste zwischen Hell und Dunkel sind abgemildert und die Bilder weisen eine interessante Stimmung auf. Die Tatsache, dass die
Beleuchtung innerhalb von Gebäuden in den fotografisch gleichen Kontrastumfang der nicht künstlichbeleuchteten Fassade und Umgebung rückt, und der Farbkontrast zur Straßenbeleuchtung
und Gebäudebeleuchtungen bieten fotografische Anreize. Die unterschiedlichen Farbtemperaturen
(Blau des Himmels, Orange der Glühbirnen, Türkis der Leuchtstoffröhren) machen solche Fotos ungewöhnlich bunt. Dieser Effekt wird durch die notwendige lange Belichtungszeit noch verstärkt.

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Link zur Berechnung der Blauen Stunde:

http://jekophoto.de/tools/daemmerungsrechner-blaue-stunde-goldene-stunde/